Polizeihauptmeister Glowczewski ist geschockt. Der gestandene Beamte aus Greifswald, mit immerhin 15 Dienstjahren auf dem Buckel, wird wohl auch heute noch an seinen Einsatz vom 28. Februar 2006 denken müssen. Damals befreiten Glowczewski und seine Kollegen fünf völlig verwahrloste Kinder aus einem Neubauviertel in der Stadt. Sie hatten die Wohnungstür der Familie S. im 4. Stock des Plattenbaus aufgebrochen und hinter verriegelten Türen fünf Kinder im Alter zwischen ein und 13 Jahren gefunden. Die ganze Wohnung befand sich in einem Zustand völliger Verwahrlosung. Das Baby eingeschlossen in einer überheizten Kammer, in der man fast keine Luft bekam, der dreijährige R. wie sein vierjähriger Bruder P. mit Lampenkabeln ans Bett gefesselt. Nur durch den Einsatz von Seitenschneidern konnten die beiden befreit werden. Von den Eltern der Kinder keine Spur.
Nachdem die Beamten die Kinder befreit hatten, nahmen sie sie aus ihrem Gefängnis mit. Inobhutnahme minderjähriger Kinder heißt das nüchtern auf Beamtendeutsch. In der Kleinstadt Greifswald mit ihren 53.000 Einwohnern haben Polizei und Jugendamt diese Jahr bereits 14 solcher Einsätze durchführen müssen. Was läuft schief? Warum kommt es immer wieder zu solchen verheerenden Fällen?
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| Offenbar ist das Jugendamt auch für die Kinder und Jugendlichen in Greifswald von Bedeutung. |
| (Foto: NDR/Thomas Henkel) |
Der Film von Gesine Enwaldt und Eilika Meinert probiert den großen familiären Problemen der heutigen Zeit auf die Spur zu kommen. Warum verwahrlosen immer mehr Kinder und Jugendliche und werden von ihren Eltern allein gelassen oder misshandelt? Wer hat versagt - Behörden und Ämter? Sind sie zu passiv oder haben sie zu wenig Rechte? In einer Reportage zeigt der Film die Arbeit der 44 Mitarbeiter des Jugendamtes Greifswald. Dort wurde einen Tag nach dem Einsatz von Glowczewski heftig über den Fall diskutiert. Hätte man den Kindern vielleicht früher helfen müssen? Und wie kann das Amt verhindern, dass die Kinder jetzt in einem Heim landen?
„Wenn Eltern versagen“ 22.10., 13.15 Uhr; ARD