Wo bin ich: music · stories  

published: 22.01.2007
2raumwohnung im Interview
„In Wellenbewegungen“
Beruflich und privat ein Paar - Tommi Eckart und Inga Humpe. (Foto: Public Address)
Beruflich und privat ein Paar - Tommi Eckart und Inga Humpe.
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Eigentlich sollten Inga Humpe und ihr Freund Tommi Eckart im Jahr 2000 nur einen Werbespot mit Musik unterlegen. Doch dann kam alles ganz anders: Der Song wurde zum Geheimtipp und gelangte durch einige Berliner Radiostationen zu lokalem Ruhm. Nachdem Humpe und Eckart das Stück in voller Länge unter dem Titel „Wir trafen uns in einem Garten“ veröffentlichten, ging es für das Duo auch im Rest der Republik schnell bergauf.

Mit ihrer ganz eigenen Sound-Mischung aus elektro-poppiger Leichtigkeit, umweht von einer Brise Melancholie, gelingt 2raumwohnung ganz schnell der Durchbruch. Vor allem Inga Humpes samtweiche Stimme und ihre deutschen Texte schmiegen sich ins Ohr der Fans. Nach fünf erfolgreichen Alben veröffentlichen Humpe, die bereits in den späten 70ern mit ihrer Schwester Annette die deutsche NDW-Szene aufmischte, und Eckart nun ihr neues Album „36 grad“. Im Interview plaudern die beiden über ihre Vorliebe für Housemusik und verraten, dass sie fast mal in den Süden ausgewandert wären.

* Eure Musik hat einen klaren Bezug zu elektronischen Sounds. Geht Ihr eigentlich noch viel in Clubs?
Inga Humpe: „Nicht permanent, das kommt immer in Wellenbewegungen. Aber jetzt hat das 'Cookies' in Berlin wieder auf. Da werden wir auf jeden Fall hin gehen.“

* Verfolgt Ihr denn die aktuelle Musik, die in den Clubs läuft?
Inga: „Ja“
Tommi: „Im Moment eher weniger. Das spielt ja auch eine Rolle bei der Auswahl der Remixer. Wir nehmen ja hauptsächlich Leute, die wir interessant finden.“

* Wie würdet Ihr „36 grad“ beschreiben?
Inga: „Es ist vielleicht ein bisschen wie eine Oper in drei Akten. Der erste Akt ist Pop und der zweite Akt ist Club. Und der dritte heißt ‚Komm nach Hause’.
Tommi: „Das ist dann der introvertierte Part.“
Inga: „Pop gibt es ein bisschen mehr als sonst.“

* Ihr legt auch gelegentlich Platten auf. Habt Ihr das schon vor 2raumwohnung gemacht?
Tommi: „Ja aber im Moment machen wir das weniger. Wir machen auch so viele Sachen gleichzeitig. Vorletztes Jahr haben wir das Album „Melancholisch schön“ gemacht und live gespielt. Da hatten wir keine Zeit mehr zum Auflegen. Das letzte Mal aufgelegt haben wir in der Silvesternacht 2005/2006. Für 2006 hatten wir uns vorgenommen, nur an dem Album zu arbeiten.“
Inga: „Wir haben gelernt, dass es mehr Spaß macht, sich auf eine Sache zu konzentrieren, als vier Sachen nebeneinander zu machen.“

* Mit Eurer Musik verbreitet ihr viel positive Energie und gute Laune. Habt Ihr ein Rezept, um Euch die gute Laune zu erhalten?
Inga: „Wir haben nicht permanent gute Laune. Wenn wir schlechte Laune haben, dann arbeiten wir nicht.“
Inga: „Mit schlechter Laune kann man nicht singen.“
Tommi: „Das ist vielleicht auch Typsache. Rezepte haben wir nicht. Es hat damit zu tun, was wir so glauben, was man so machen kann in der kurzen Zeit, in der wir hier auf der Erde sind.“
Inga: „Wir können uns das nicht leisten, hier schlecht gelaunt rumzuhängen. Wir haben ja nichts zu beklagen. Was sollen wir denn in dem Moment, in dem wir sterben, denken? Dann fragst du dich: Was habe ich denn aus dieser schönen Zeit gemacht?“

* Das hört sich nach dem „Carpe-Diem“-Prinzip an?
Inga: „Ja, ich finde das klasse, wenn Leute einen Beruf haben, wo sie etwas für Leute machen können. Als Schuster, Arzt oder Koch kannst du Menschen Freude bringen.“

* War das ein Ansporn für euch, Musiker zu werden?
Inga: „Nee, damals war das reine Eitelkeit. Ich wollte aus meiner kleinen Stadt raus.“
Tommi: „Bei mir war es eher Musikbesessenheit. Ich war da wie ein Junkie: Ich brauchte die ganze Zeit Musik.“

* Eure Musik klingt immer unangestrengt und leicht. Ist das Produzieren überhaupt Arbeit für Euch?
Inga: „Klar ist das Arbeit. Bis Leute dahin kommen, dass es sich leicht anhört, da müssen die schon was können.“
Tommi: „An diesem Album haben wir elf Monate gearbeitet.

* Eure Single „Besser geht’s nicht“ ist mit Peter Plate von Rosenstolz entstanden. Gibt es eine musikalische Verwandtschaft mit Rosenstolz?
Inga: „Wir sind schon lange befreundet. Denen spielen wir unsere Musik vor und sie spielen uns ihre vor. Wir verraten uns alle Geheimnisse aus dem Business, die keiner wissen darf. Wir waren im Urlaub bei ihnen und haben diese zwei Stücke zusammen geschrieben. ‚Besser geht’s nicht’ und ‚36 grad’. Das hat erstaunlicherweise ziemlich gut geklappt. Es ist nicht leicht jemanden zu finden, mit dem wir arbeiten können.“

* Das Video zu dem Song beschreibt eine chaotische Familienfeier. Habt Ihr so etwa selber schon erlebt?


eventim.de

Seeed



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