"Weder Anfang hat die Welt noch Ende/Nicht im Raum noch in der Zeit/Überall ist Mittelpunkt und Wende/Und im Nu die Ewigkeit." Wer glaubt, dass über 200 Jahre alte Gedichte grundsätzlich angestaubt und altmodisch klingen müssen, den könnte das Debüt-Album "Goldene Zeit" des Poetryclub vom Gegenteil überzeugen. Der Sänger Cosmic macht aus Friedrich Rückerts oben zitiertem Gedicht "Weltgeheimnis" einen träumerisch-melancholischen Popsong, den man sich auch als Nicht-Lyriker gerne anhört.
Für sein Musikprojekt "Goldene Zeit" trommelte Musiker Georg Nägle, alias Cosmic, eine Vielzahl seiner Künstler-Kollegen zusammen, die nun auf der CD einige der von Cosmic vertonten Gedichte singen, den Background-Chor geben oder das Ganze instrumental unterlegen. Die Gedichte stammen bis auf wenige Ausnahmen aus der Feder des Schweinfurter Dichters Friedrich Rückert. In den meisten Liedern singt Cosmic selbst die Leadstimme, was auch dringend notwendig ist, um die unterschiedlichen Stile seiner Kollegen irgendwie als Ganzes zusammenzuhalten.
Cosmic klingt manchmal wie Selig, manchmal wie Kim Frank und ab und an auch rockig wie die Sportfreunde Stiller. Die Songs "Liedergabe" und "Abhanden" gehören mit ihren E-Gitarren-Zwischenspielen zu den rockigeren Deutschpop-Varianten. "Mitternacht" ist eines der mitreißendsten Stücke des Albums, obwohl die eingeschobene Rap-Passage von Hip-Hop-Künstler Danny Fresh eher unpassend wirkt. Ein gelungenes Duett von Caro Weißenberg und Cosmic ist "Blüh wie die Blum". Meist hört man die verschiedenen Sängerinnen von Poetryclub allerdings nur als Background-Chor oder im Refrain eines Songs. Olive Christou bringt bei "Kind" eine Ahnung von Soul mit in den wilden Stil-Mix von Poetryclub hinein.
Eben diese musikalische Vielfalt kann sich aber auch negativ auswirken, denn manche Stile passen nur schwer zusammen. Der Elektro-Dance-Verschnitt "Offen", gemischt mit etwas Rap von Danny Fresh und einem radiotauglichen Refrain von Miss Flint, ist nicht schlecht, passt aber wenig ins Gesamtbild des Albums. CD-Aushängeschild "Die Welt ist schön" wird zwar als Highlight des Albums gefeiert, sticht stilmäßig aber mit seinen Naidoo-ähnlichen Soul-Einfluss genau wie der Song "Wachsen" heraus aus Cosmics Deutsch-Pop.
Aus musikalischer Sicht wäre das große Künstler-Aufgebot für "Goldene Zeit" nicht von Nöten gewesen. Vermutlich hätte Cosmic die Platte alleine mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser hinbekommen als mit elf Gastsängern, die oft nur kleine Rollen einnehmen und zudem noch sehr unterschiedliche Musikstile einbringen.
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