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published: 24.01.2008
Interview
Konrad Freiberg über Jugendgewalt
Konrad Freiberg ist Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (Foto: Public Address)
Konrad Freiberg ist Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei
(Foto: Public Address)
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Freiberg


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Bisher haben wir bereits darüber berichtet, was Jugendliche und Prominente über das Thema Jugendgewalt denken. Nun hat sich die Scoolz-Redaktion mit dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, zum Interview getroffen.

* Roland Koch hat vor einiger Zeit gefordert, dass Kinder unter 14 Jahren in Ausnahmefällen nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden sollen. Ist dieses das letzte Mittel des Staates gegen Jugendgewalt?
Konrad Freiberg: "Nein, das ist der völlig verkehrte Ansatz, den er gewählt hat. Deswegen hat er auch die Kritik verdient. Wer sich mit Jugendgewalt auseinandersetzt, muss bei den Ursachen anfangen, das heißt, bei den Menschen und der Frage, weshalb sie dazu kommen. Und dann kommt man zu den Erkenntnissen, die allen Fachleuten bekannt sind. Das fängt an mit mangelnder Erziehung, den Schwierigkeiten im Elternhaus und geht über Bildung bis hin zur Perspektivlosigkeit beim Arbeitsplatz. Bei Migranten kommt hinzu, dass mangelnde Integration vorhanden ist, oftmals fehlt auch die Voraussetzung der Sprache. Wenn man dann weiter diskutiert über Jugendkriminalität, kommt man zu der Frage, was die Polizei machen kann, um das Entdeckungsrisiko zu erhöhen. Das ist ganz entscheidend. Und der dritte Punkt ist, wie die staatlichen Organe reagieren, von Sozialarbeitern, Jugendhilfe bis nachher zu den Gerichten. Und das muss umgehend gehen, das ist das Entscheidende bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität. Erst dann kann man darüber diskutieren, welche Strafen sein sollten, aber das ist wirklich vernachlässigbar."

* Die Innenministerkonferenz hat vor einigen Tagen einen Neun-Punkte-Katalog veröffentlicht. Welche der festgelegten Punkte könnten Ihrer Meinung nach helfen, Gewalt von Jugendlichen einzudämmen?
"Das Wichtigste ist, dass wir in den Bereichen, in denen es um Hilfe geht, wie Sozialarbeit, Jugendhilfe, in den Bereichen der Polizei und auch bei der Justiz, das Personal haben, damit möglichst zügig gearbeitet werden kann. Wir müssen eher Kraft hineinsetzen, jungen Menschen die Chancen im Leben zu erhöhen bis hin zu Integrationsfragen. Das sind die entscheidenden Merkmale. Und alles, was hinterher kommt, mit Warnschussarresten, Erhöhung der Höchststrafen, das ist alles vernachlässigbar und es lohnt sich nicht, darüber weiter zu reden."

* Welche konkreten und durchführbaren Sofort–Maßnahmen und welche langfristigen Maßnahmen fordern Sie zur Eindämmung von Jugendgewalt?
"Das Wichtigste ist, dass wir mehr Aufmerksamkeit auf die Schulen lenken, das heißt, Bildung muss einen höheren Stellenwert erhalten. Und dann die Frage der Integration. Das ist äußerst schwierig, ich weiß auch, dass dieses nicht kurzfristig machbar ist, aber dort liegen die Schlüssel. Alles andere kommt dann hinten an, wenn wir dort etwas mehr Kraft hineinsetzen."

* Können populistische Vorschläge, wie "Keine Leichen im TV vor 20 Uhr" oder "generelles Alkoholverbot in bestimmten Stadtteilen und Brennpunkten" (z.B. auf der Reeperbahn in Hamburg) die Zielgruppe überhaupt tangieren?
"Nein, diese Vorschläge helfen uns nicht weiter. Das ist illusionär. Das wäre genauso gut, wenn ich Jugendlichen sagen würde, sie dürfen nicht rauchen, dürfen nicht trinken, dürfen kein Fernsehen gucken. Das ist weltfremd, das muss man ganz ausdrücklich sagen. Ein junger Mensch muss lernen, mit Versuchungen umzugehen, dabei auch in vielen Dingen über die Stränge zu schlagen, damit er erwachsen wird. Das macht ja gerade den Jugendlichen aus. Wir müssen den Jugendlichen ernst nehmen und ihm Perspektiven bieten. Und am Rande müssen wir ihn immer auch staatlicherseits begleiten, wenn er über die Stränge schlägt. In erster Linie mit Hilfe und in zweiter Linie mit Korrektur."

* Aktuelle Studien und Umfragen sehen Migranten mehr in der Täterrolle als deutsche Kinder und Jugendliche. Wie können Politik und Gesellschaft helfen, mögliche Feindseligkeiten gegen Ausländer zu vermeiden?

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