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Redaktionelle Anzeige | Powered by TK published: 29.04.2008
Interview
"Kein Diskussionstabu"
Kulturelle Differenzen spielen in der SV-Arbeit für Kolja, Anouk, Pauline, Laura-Solmaz und Noah keine Rolle (Foto: Public Address)
Kulturelle Differenzen spielen in der SV-Arbeit für Kolja, Anouk, Pauline, Laura-Solmaz und Noah keine Rolle
(Foto: Public Address)
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Der 19-jährige Noah wuselt noch durch die bevölkerten Gänge der Hamburger Klosterschule: "Noah, was ist denn jetzt mit Deutsch?" tönt es über den Flur. Aber Noah hat keine Zeit. Der Schülersprecher ist damit beschäftigt, die anderen SV-Mitglieder für das Interview zusammenzutrommeln: Kolja, 19 Jahre, Anouk, 16 Jahre, Laura-Solmaz, 18 Jahre und Pauline, 15 Jahre.

Die Klosterschule wurde 1992 Hamburgs erstes staatliches Ganztags-Gymnasium, das mittlerweile etwa 700 Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen kulturellen Hintergründen besuchen - in den Familien der Schülerschaft werden über 30 Muttersprachen gesprochen. Und auch innerhalb der SV treffen unterschiedliche kulturelle Wurzeln aufeinander: So stammt Noahs Vater aus Bangladesch, Anouks Mutter aus Frankreich und Laura-Solmaz´ Vater aus dem Iran.

Scoolz und die Techniker Krankenkasse wollten genauer wissen, wie der Schulalltag der Jugendlichen aussieht und wie sie mit der Kulturen-Vielfalt an ihrer Schule umgehen.

Inwiefern beeinflussen euch eure kulturellen Wurzeln?
Noah: "Mein Vater wollte immer, dass ich sehr deutsch werde und hat mir ganz bewusst kein Bengali beigebracht. Man glaubte damals noch, dass zwei Sprachen gleichzeitig das Kind verwirren würden. Heute ist das ein bisschen schade, bilingual wäre schön gewesen. Es war das Ziel meines Vaters, sich möglichst stark zu integrieren."

Laura: "Ich bin nicht mit meinem Vater groß geworden. Er wohnt auch in Hamburg, ich sehe ihn oft. Er ist ein sehr orientalischer Typ, auch was die Erziehung angeht. Er hat ganz andere Wertvorstellungen als meine Mutter, da kann man sich das Beste heraussuchen."

Noah: "Das erste Mal habe ich bei der Studienwahl wahrgenommen, dass ich Ausländer bin. Darum habe ich mich bewusst gegen Magdeburg entschieden, ob das nun begründet ist oder nicht. Sogar deutsche Freunde haben mir geraten, da aus politischen Gründen nicht hinzugehen."

Sind Vorurteile ein Thema an eurer Schule?
Der Vater von Laura-Solmaz stammt aus dem Iran, Noahs Vater kommt aus Bangladesch (Foto: Public Address)
Der Vater von Laura-Solmaz stammt aus dem Iran, Noahs Vater kommt aus Bangladesch
(Foto: Public Address)
Laura: "Ich finde es gut, dass ich an dieser Schule bin, da hier der Ausländeranteil bzw. die Schüler, bei denen ein Elternteil aus dem Ausland stammt, sehr hoch ist. Aus meinem Freundeskreis kommt fast von jedem ein Elterteil aus dem Ausland, es gibt ein breites Spektrum an Meinungen."

Kolja: "Es gibt an unserer Schule wenig Vorurteile, wir sehen verschiedene Meinungen nicht als Problem. Es beschäftigt uns als SV, wie wir das Interesse und die Neugier in den Schulalltag integrieren können. Wir sind eine `Kulturschule´, deren Schwerpunkte eher auf der künstlerisch-ästhetischer Kultur liegen. Für uns ist wichtig, dass die Herkunft, die mitgebrachte Kultur ins Blickfeld rückt und man von dem unterschiedlichen Kulturkapital profitiert."

Noah: "Ich glaube unsere Schule ist so etwas wie ein Idealbild einer integrierten Gesellschaft. In den Kunstprojekten beeinflusst das beispielsweise die Musik, die in den Bands gespielt wird oder die Ideen, die in Theaterstücken aufkommen. Ich habe früher orientalische Märchen gelesen. Neulich haben wir abwechselnd eine Geschichte erzählt, wobei ich eher die orientalische Seite betont habe. Ich habe beispielsweise beschreibende Elemente wie ´der Mond sibern glänzend` verwendet, während die anderen eher handlungsorientierter und straighter waren. Da kamen verschiedene Einflüsse zusammen, die gar nicht mehr bewusst als kulturelle Unterschiede wahrgenommen wurden."

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