Wo bin ich: on screen  

published: 25.09.2008
Kino-Tipp
"Der Baader Meinhof Komplex"
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) wurden oft zum Gangsterpärchen "Bonnie und Clyde" verklärt  (Foto: Constantin)
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) wurden oft zum Gangsterpärchen "Bonnie und Clyde" verklärt
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Skeptiker können beruhigt sein. Der neue Film über die Rote Armee Fraktion trägt nicht - wie befürchtet - zur Glorifizierung der terroristischen Vereinigung bei. Stattdessen beschreiben Regisseur Uli Edel und Drehbuchautor sowie Produzent Bernd Eichinger die Ereignisse, die 1977 zum Deutschen Herbst führten, mit der nüchternen Akribie eines Dokumentarfilmers. Eine Haltung fehlt der hochgehandelten Produktion dadurch völlig.

Allein die Geschichte von Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) lässt im ersten Teil des 150 Minuten langen Films ein wenig Hoffnung aufkeimen. Ihr Weg in den Terrorismus wird so erzählt, dass der Zuschauer die Zerrissenheit zwischen Argument und Aktion, zwischen bürgerlichem Leben und Untergrund sehr gut nachvollziehen kann. Von der linken Journalistin und Vordenkerin entwickelt sich die zweifache Mutter schließlich zur Terroristin. Zuvor hatte sie bei Interviews die linksradikalen Kaufhausbrandstifter Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) kennen gelernt, deren Konsequenz sie beeindruckte.

Motiviert durch die Studentenbewegung, den Tod des Demonstranten Benno Ohnesorg bei einer Demo und das Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke, hatten Baader und Ensslin beschlossen, nicht länger nur zu reden. Aus Protest gegen den Vietnamkrieg zündeten die beiden als Rädelsführer ein Kaufhaus an. Nach der Verhaftung von Baader galt seine Befreiungsaktion, an der 1970 erstmals Ulrike Meinhof beteiligt war, als Geburtsstunde der RAF.

Was folgte, war der blutige Weg der ersten Terror-Generation, der mit vielen Verwundeten und Toten schließlich im Hochsicherheitstrakt der Haftanstalt Stuttgart Stammheim endet. Horst Herold (Bruno Ganz), Chef des Bundeskriminalamtes, hatte mit seiner neu eingeführten Rasterfahndung die Schlinge schließlich immer enger um die Terroristen gezogen.

Die Journalistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) demonstriert gegen den Springer-Verlag (Foto: Constantin)
Die Journalistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) demonstriert gegen den Springer-Verlag
(Foto: Constantin)
Obwohl die Geschichte der RAF noch bis 1998 weitergeht, konzentriert sich der Film nur auf die beiden ersten Generationen des Terrorismus. Noch mehr Namen, Gesichter und Attentate hätte der Zuschauer in dem überfrachteten Werk sicher auch nur schwer verdaut. Dass "Der Baader Meinhof Komplex" trotzdem kein schlechter Film ist, verdankt er vor allem seinen hervorragenden Schauspielern. Vor allem die weiblichen Hauptrollen um Johanna Wokalek als eiskalter Terror-Engel und Martina Gedeck als zerrissen-sensible Theoretikerin erledigen ihre Aufgaben mit Bravour. Zahlreiche weitere Stars des deutschen Kinos – vor allem Nadja Uhl als Brigitte Mohnhaupt - haben es aufgrund ihrer geringen Drehbuchpräsenz dagegen schwer. Ihre Auftritte reduzieren sich teils nur auf die umfangreichen Actionszenen während der Attentate.

Bei denen kam es Edel und Eichinger vor allem auf Authentizität an. Gewalttätig aber nie voyeuristisch zeigt der Film die ganze Brutalität der Terroristen und demonstriert sie als simple Verbrecher. Wann immer möglich haben die Macher nicht nur die Kugeln gezählt, die in den Polizeiberichten auftauchen, sondern sogar die Einschussstellen genau nachgestellt. So entsteht letztendlich der vage Eindruck, es sei ihnen nur um eine Bestandsaufnahme des Terrorismus gegangen. Der fundierte RAF-Kenner wird das Kino nach zweieinhalb Stunden wohl eher mit einem Schulterzucken verlassen. Für den Laien ist der Film dagegen mehr als empfehlenswert. Uli Edel sagte über sein Regiekonzept, dass er einen Film für seine Söhne hätte machen wollen, die vom deutschen Terrorismus nichts mitbekommen haben. Das ist ihm in jedem Fall gelungen.

Deutschland 2007 - Regie: Uli Edel - Darsteller: Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Jasmin Tabatabai - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 12 Jahren, Verleih: Constantin

[Jörg]
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