"Es ist in meiner ganzen Karriere noch nie vorgekommen, dass ich mich geprügelt habe – obwohl ich jeden Tag mindestens einmal richtig provoziert werde." Das sagte HipHop-Star Samy Deluxe am Mittwoch bei einer Feierstunde zu 90 Hamburger Schülern. Die Jungen zwischen elf und 15 Jahren hatten alle den Kurs "Cool in School" erfolgreich absolviert, ein sechsmonatiges Training zur Gewaltprävention. Dazu hatten sie sich einmal pro Woche drei Stunden lang darin geübt, Provokationen zu widerstehen und ihre Aggressionen in den Griff zu kriegen. "Das war nicht immer leicht, weil man da über seine Misstaten reden musste", erzählt der zwölfjährige Sedat von der Schule Bunatwiete. "Aber jetzt fällt es viel leichter, cool zu bleiben", ergänzt sein Schulfreund Kosta (11).
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| Claudia Ludwigshausen und Derk Langkamp sind die Initiatoren des "Cool In School"-Projektes an Hamburger Schulen |
| (Foto: Public Address) |
An insgesamt 13 Hamburger Brennpunkt-Schulen war bundesweit zum ersten Mal das Coolness-Training als Kurs umgesetzt worden. 23 Trainer und Trainerinnen unterrichteten zunächst 100 Schüler. Doch nicht alle Jungen waren den Anforderungen von "Cool in School" gewachsen. Zehn schafften es nicht - meistens wegen Aggressionen oder Undiszipliniertheit – die Schulung zu beenden.
Scoolz zeigt euch einen Film der "Cool in School"-Abschlussfeier
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Das anspruchsvolle Training umfasst eine Integrationsphase, in der sich die Teilnehmer kennen lernen, und eine konfrontative Phase. Hier kommen "Mr. Cool" und Provokationstests ins Spiel, bei denen sich ein Teilnehmer den Anfeindungen der anderen stellt. In der anschließenden Kompetenzphase werden alternative Handlungsmöglichkeiten eingeübt. Die Reflexionsphase festigt das Gelernte.
Ihren großen Respekt gegenüber den erfolgreichen Jugendlichen sprach Projektleiterin Claudia Ludwigshausen bei der Absolventenfeier in der Aula des
Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg aus. Auch Institutsleiter Peter Daschner freute sich darüber, dass die Schüler gelernt hätten, den Gewaltkreislauf zu durchbrechen. Sie könnten nun Konflikte, die immer wieder auftreten, anders lösen.
| "Konfrontative Pädagogik" |
| "Konfrontative Pädagogik" ist eine Erziehungsmethode. Sie wird vor allem bei gewaltbereiten Teenagern und Wiederholungstätern eingesetzt. Der konfrontative Ansatz, auf dem auch das "Cool In School"-Konzept basiert, funktioniert so: Dem Jugendlichen soll bewusst gemacht werden, dass er als Mensch respektiert und gemocht wird. Seine unsozialen und brutalen Taten jedoch werden aufs schärfste verurteilt. Dadurch soll dem Jugendliche eine klare Grenze aufgezeigt werden. |
Scoolz-Experte Derk Langkamp, der früher als Jugendbeauftragter für die Hamburger Polizei im Einsatz war, hatte zusammen mit Ludwigshausen die 23 Trainer der Schüler ausgebildet - in Kooperation mit dem
Institut für Konfrontative Pädagogik. Der Coolness- und Anti-Aggressivitäts-Trainer betonte, es sei nie leicht, weder für Erwachsene noch Teenager, ihr Verhalten zu ändern. Umso höher sei die Leistung der Jugendlichen einzuschätzen. Langkamp dankte zudem ausdrücklich Scoolz und der Techniker Krankenkasse dafür, dass die Feier für die "Cool in School"-Absolventen in diesem Rahmen stattfinden konnte.
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| Peter Daschner, Direktor des Hamburger Landesinstitus für Lehrerbildung und Schulentwicklung, begrüßte die über 100 Teilnehmer und Trainer |
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Die Trainer Mike Händel von der Erich-Kästner-Gesamtschule und Katja Rosenau von der Schule Griesstraße berichteten von ihren Erfahrungen mit ihren Gruppen. Händel betonte die Vorteile des Modells, die er vor allem in der Sozialschulung im vertrauten Umfeld sieht sowie in der Transparenz, die in der Schule herrsche.
Gaststar Samy Deluxe persönlich drückte den Schülern am Ende ihre "Cool In School"-T-Shirts und die Urkunden in die Hand. Den beiden 15-jährigen Beatboxern Ahmet und Devran von der Schule Fährstraße machte er ein großes Kompliment: "Die Sounds waren richtig gut – ein super Ding!" Die beiden Wilhelmsburger Schüler hatten neben HipHop-Rhythmen auch House-Music-Grooves und eine Michael-Jackson-Imitation drauf. Das Publikum bedachte ihre Einlage mit frenetischem Applaus. Zum Dank stellte sich Samy Deluxe persönlich zu den beiden auf die Bühne und warf zu ihren Beats entspannt ein paar Reime ins Publikum.