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Redaktionelle Anzeige | Powered by TK published: 13.02.2010
Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson
Probleme mit dem Ausbilder
Scoolz-Expertin Dr. Karin Anderson beantwortet eure Fragen (Foto: Public Address)
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Direkt zum letzten Beitrag 08.02.2010 21:33
OH NO ARMER BERND !! 2...
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Der Übergang von der Schule zu einer Ausbildung ist oft nicht einfach. Der Arbeitsalltag ist ein völlig anderer als der Schulalltag und als Azubi muss man sich nicht nur an feste Arbeitszeiten und weniger Freizeit gewöhnen, sondern gerade in der ersten Zeit viele verschiedene Eindrücke aufnehmen und umsetzen können. Kommen dann auch noch Probleme mit dem Ausbildungsleiter dazu, kann die Situation zu einer schwerwiegenden Belastung werden. Wie verhält man sich in diesem Fall am besten? TK-Expertin Dr. Karin Anderson weiß Rat.

Bernd: "Hallo Frau Anderson,
ich habe gerade eine Ausbildung als Industriemechaniker begonnen und habe mich wirklich darauf gefreut. Die Firma hat beim Vorstellungsgespräch einen super Eindruck hinterlassen und die Leute da waren wirklich nett. Nach meinen ersten Arbeitstagen bin ich jetzt allerdings ziemlich fertig, weil mein Ausbildungsleiter total cholerisch ist und mich bei den kleinsten Fehlern anschreit. Obwohl er alle Azubis so behandelt und schon einen gewissen Ruf in der Firma hat, hackt er auf mir besonders herum.

Ob er mich nicht leiden kann oder ob ich mich schlechter anstelle als die anderen, weiß ich nicht. Die cholerischen Ausbrüche machen mir auf jeden Fall sehr zu schaffen, ich habe das Gefühl, alles falsch zu machen. Ich will jetzt schon gar nicht mehr zur Arbeit, habe aber noch mehrere Jahre vor mir. Ich brauche dringend einen Rat, die Firma verlassen will ich nämlich eigentlich auch nicht. Wie soll ich mit der Situation umgehen?"


Dr. Karin Anderson:"Hallo Bernd,
ich kann mir vorstellen, wie unangenehm diese Situation für dich sein muss. Ein solches Gebrülle des unmittelbaren Vorgesetzten ist wirklich schwer auszuhalten und außerdem auch nicht besonders förderlich für Arbeitsmoral und konzentriertes Arbeiten. Dieser Umgangston ist natürlich vollkommen unangemessen, aber offenbar wird er von der Firmenleitung geduldet und daher würde es dir allein wohl wenig nützen, dich direkt dort zu beschweren – so etwas funktioniert nur dann, wenn sich alle Azubis einig wären und gemeinsam etwas dagegen unternehmen würden.

Idealerweise solltest du dir dieses Anbrüllen höflich, aber bestimmt verbitten können. Dafür braucht man aber schon ein sehr gutes Selbstvertrauen, und gerade als Azubi fehlt dir sicherlich das nötige, sehr energische Auftreten. Da dir die Firma insgesamt zusagt und du dort auch deine Wunschausbildung machen möchtest, musst du also unbedingt versuchen, dir Strategien zurechtzulegen, damit du die Nerven behalten und dich innerlich ein Stück von diesem Herumgebrülle distanzieren kannst.

Schreien als Zeichen der Schwäche

Als erstes musst du dir wirklich immer wieder vor Augen führen, was du ja im Prinzip auch bereits weißt – dein Ausbildungsleiter ist bekanntermaßen ein Choleriker und lässt seinen Ärger an allen Azubis in dieser Form aus. Es hat mit deiner Person sicher überhaupt nichts zu tun, und ich nehme auch nicht an, dass du dich besonders ungeschickt anstellst, schließlich hast du ja gerade erst dort angefangen und musst dich erstmal eingewöhnen. Zum anderen solltest du dir klarmachen, dass so ein bei jeder Kleinigkeit aus der Haut fahren und Herumschreien kein Zeichen der Stärke, sondern eine Schwäche ist, dazu auch noch eine krankmachende (dein Ausbildungsleiter hat vermutlich einen erhöhten Blutdruck).

Gegenüber in Unterwäsche vorstellen

Du solltest versuchen, ruhig und gelassen zu bleiben, und auch in ruhigem, sachlichen Ton zu antworten, aber nur dann, wenn eine Antwort wirklich gefordert ist (!), sonst hör einfach nur kommentarlos zu. Zeig aber durch ein Kopfnicken oder ein: "hm, ja" oder "ach so" deine Aufmerksamkeit, sonst glaubt dein Ausbildungsleiter möglicherweise, dass du ihn nicht ernst nimmst. Mit so einer vage zustimmenden Geste lässt du ihn aber "weich auflaufen" und bietest ihm keinen Widerstand, um sich noch mehr zu erregen.

Ein guter psychologischer Trick, der dir helfen kann, dich in so einer Situation nicht so klein und ohnmächtig zu fühlen, sondern innerlich ein Stück zu distanzieren, ist es, sich das beängstigende Gegenüber als rotes Gummibärchen oder in spießiger Doppelripp-Unterwäsche vorzustellen. Dieser Trick hat einer Freundin von mir geholfen, sich erfolgreich gegenüber einem Bankmanager bei Verhandlungen um bessere Darlehensbedingungen durchzusetzen – obwohl sie sich eigentlich aufgrund ihrer schwachen Verhandlungsposition sehr unsicher und unterlegen fühlte.

Keinesfalls die Ausbildung aufgeben

Darüber hinaus kannst du aber auch aktiv etwas dafür tun, deinen Ausbildungsleiter dir gegenüber freundlicher zu stimmen. Stell ihm intelligente Fragen und lobe gleichzeitig seine Kompetenz (schmier' ihm Honig um den Bart). Was meinst du, wie er reagieren wird, wenn du ihm erklärst, du könntest dir vorstellen, dass es oft nicht einfach für ihn sei, immer wieder ahnungslose Anfänger anzulernen, und was für eine verantwortungsvolle Aufgabe das in einer Firma sei. Er müsse sicher über ein sehr umfassendes Wissen verfügen!

Auf keinen Fall solltest du nur wegen dieses Cholerikers deinen guten Ausbildungsplatz aufgeben. Wenn du bei der Bundeswehr wärest, müsstest du dich sicher auch von deinem Unteroffizier anschreien lassen – hänge dir notfalls, wie die Wehrdienstleistenden, ein Zentimetermaß an die Wand, und schneide jeden Tag einen Zentimeter ab, bis der Tag kommt, an dem du die Ausbildung beendet hast oder die Abteilung wechselst, oder dein Ausbildungsleiter dir gegenüber freundlicher wird. Liebe Grüße, Dr. Karin Anderson"

[TK]
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