Wer deutschen HipHop auf "Gangsta-Rap"-Produktionen wie die aus dem Haus Aggro Berlin reduziert, hat noch nie etwas von Dendemann alias Daniel Ebel gehört. Der 35-Jährige machte erstmals durch Auftritte seiner früheren Band Arme Ritter im Vorprogramm von Fettes Brot auf sich aufmerksam und war dann Jahre lang mit DJ Rabauke als Duo Eins Zwo unterwegs. Einige Zeit ist vergangen, seitdem der Wahl-Hamburger 2006 sein erstes Solo-Album "Die Pfütze des Eisbergs" veröffentlichte. Nachdem in der Zwischenzeit ein Live-Album folgte, ist Dendemann nun mit seinem zweiten Studio-Album zurück.
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Reibeisenstimme und Wortspiele
Überraschend anders klingt der neue Sound beim ersten Hören, wenn man frühere Stücke des Rappers im Sinn hat. "Vom Vintage Verweht" präsentiert sich rockiger und Energie-geladener. Hier wird nicht nur auf eingängige Beats und solide Basstöne gesetzt, sondern auch auf Gitarren- und Schlagzeug-Elemente. Man könnte meinen, den Einfluss der Beatsteaks herauszuhören, mit denen Dendemann Ende 2007 auf Tour war. Geblieben und nach wie vor herausstechend sind die für den Künstler typischen Wortspiele. In geballten Raps bekommt der Zuhörer immer neue Kreationen von der Reibeisenstimme entgegen gefeuert. Bestes Beispiel dafür, dass die Textpassagen perfekt mit dem unverkennbaren Groove harmonieren, ist "0 Robota". Erfrischend melodisch wird es im Song "Papierkrieg", der sich an Samples aus dem Album "Kapitulation" der Hamburger Band Tocotronic bedient.
Musikalischer Wandel
Dendemeier selbst, wie er sich zeitweilig auch nennt, vergleicht sein neues Werk mit einer Novelle, die in dreizehn Kapiteln den Wandel der Hauptfigur darstellt. Autobiografisch bringt er in den Texten seine eigene Veränderung zum Ausdruck, wie schon der Opener "Nesthocker" zeigt: "... Der Rahmen war zu klein und leider viel zu eng, ich pass partout nicht rein und neige ihn zu sprengen." Auftauchenden Widersprüchen setzt der Rapper gekonnt seine Auflehnung gegen alte Regeln und Normen entgegen. Beispielhaft wird das in der dem Album vorausgehenden Single "Stumpf ist Trumpf 3.0" deutlich. Letztendlich klingen die meisten Songs der Platte zwar ähnlich, der angestrebte (musikalische) Wandel ist aber gelungen. Dendemann kombiniert die verschiedensten Facetten des HipHops mit wortgewandten Inhalten, sodass einem bis zum letzten Song nicht langweilig wird.
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