Wenn man das kleine Städtchen Lüderitz durchwandert, hat man fast das Gefühl in Deutschland zu sein: deutsche Straßennamen, deutsch klingende Namen auf den Klingelschildern der Bewohner. Nur Lüderitz liegt nicht in Deutschland, wie der Name vermuten lässt, sondern viele tausend Kilometer von den deutschen Landesgrenzen entfernt im südwestlichen Afrika. Auch wenn hier vieles an Deutschland erinnert, sind die Bewohner des Städtchens keine Deutschen, sondern Schwarzafrikaner vom Stamm der Herero und zugleich Bürger Namibias. Trotzdem leben hier deutsche Traditionen und deutsches Brauchtum weiter fort. Denn zur Zeit der Kolonialisierung stand das Land unter deutscher Herrschaft und ging unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika in die Geschichtsbücher ein. Dabei trieft aus einigen Kapiteln Blut: Denn nachdem die Herero, was in ihrer Sprache soviel wie Viehbesitzer bedeutet, anfangs gut mit den wenigen deutschen Siedlern auskamen, wendete sich das Blatt mit Beginn des so genannten Schutzgebiets, zu dem das Land 1884 wurde. Von da an wurden die Einheimischen systematisch von den Kolonialherren ausgebeutet. Bis sich die Herero wehrten. 1904 kam es zu einem blutigen Aufstand, der durch vom Deutschen Reich entsandte Truppen blutig niedergeschlagen wurde. Die genaue Zahl der Toten ist bis heute nicht bekannt. Vermutlich starben über 65.000 Herero bei den Unruhen. Trotzdem leben deutsche Traditionen bei den etwa 120.000 Herero, die heute noch in Namibia leben, weiter fort.
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| Auch die Frauen tragen Trachten, wie sie in Deutschland vor mehr 100 Jahren getragen wurden. |
| (Foto: ZDF/ORF) |
Die Dokumentation "Ich bin ein Herero-Deutscher" spürt einem Kapitel deutsch-afrikanischer Geschichte nach, das bis heute lebendig geblieben ist: Es geht um die Anfänge der deutschen Kolonialgeschichte im südwestlichen Afrika. Und es geht um die ersten Diamantenfunde, um Euphorie, Ernüchterung, Pioniere, Landraub und Völkermord.
„Ich bin ein Herero-Deutscher” 22.07., 14.00 Uhr; 3sat