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Inga: „Ja, permanent. Wir haben beide Familien, die nicht so funktionieren, wie wir uns das wünschen.“
* Würdet ihr eigentlich von euch sagen, dass ihr Sommermenschen seid?
Tommi: „Wir waren mal für ein paar Monate auf Lanzarote. Da leben viele Aussteiger. Wir haben dort von Januar bis April ein Haus gehütet, das einem Freund gehört. Davor wollten wir aussteigen. Aber danach nicht mehr. Dauernd Sommer bringt es auch nicht. Da kann man zum Beispiel nie Ski fahren.“
* Wie seht Ihr die Entwicklung der deutschsprachigen Pop-Musik in den letzten Jahren?
Tommi: „Positiv. Da es trotz des anfänglichen Widerstandes der Radiosender sehr viel Musik gibt. Viele Bands, viele Fans, das finde ich positiv. Negativ ist, dass es nicht so viele Musikstile gibt. Die meisten Mainstreamdinger haben einen ziemlich konservativen Rocksound.“
Inga: „Wir verstehen aber nicht, warum Sachen wie die von International Pony nicht so viel Beachtung finden. Obwohl das mal was anderes ist.“
Tommi: „Vielleicht hat das mit dem kaputten kulturellen Selbstbewusstsein der Deutschen nach dem Krieg zu tun. Denn Musikstile wachsen ja sehr langsam. Du machst ja später auch das, was dich als Teenie geprägt hat. Man merkt schon, dass das mit dem Selbstverständnis noch nicht ganz funktioniert.“
Inga: „Wir haben ja eine starke Beziehung zu diesem ganzen Frenchpop. Das ist eine tolle Musik, die hat so was Weiches und Verspieltes und ist trotzdem nicht englisch oder amerikanisch.
* Würdet Ihr Euch eigentlich als politische Menschen beschreiben?
Inga: „Klar sind wir politisch. Wir sagen aber nicht, dass man Lieder machen muss, die aufrufen oder anklagen oder auf Missstände hinweisen. Das wird schon in allen anderen Medien gemacht, da müssen wir nicht auch noch darüber sprechen.“
* Inga, wie siehst Du denn heute Deine NDW-Zeit?
Inga: „Das war halt eine völlig andere Zeit. Es war sicherlich prägend, aber ich bin trotzdem froh, das es vorbei ist.“
* Wieso?
Inga: „Es war kälter und härter. Ich fand es nicht so schön damals. Es war eine patzige Zeit. Dieses ganze patzige Gehabe.“
Tommi: „Die Konzerte waren auch anders. Beim Soundcheck musste man sich erst mal mit dem Mischer streiten. Um Dezibel und Lautstärke wurde Krieg geführt. Die Bands haben sich unter keinen Umständen gegrüßt. Heute gehen die Bands auf einem Festivals nett und respektvoll miteinander um.“
* Wie ist das eigentlich für Euch, privat ein Paar zu sein und miteinander zu arbeiten?
Tommi: „Das ist manchmal gut und manchmal schwierig. 2raumwohnung gibt es jetzt schon sieben Jahre. Das überstehen wir auch nicht lächelnd auf Liebeswolken.“
* Aber wie geht Ihr damit um? Schließlich wollt Ihr zusammen einen kreativen Prozess ankurbeln?
Tommi: „Es gibt da bestimmte Strategien. Die Nähe, die Musik herstellt, hat auch eine positive Rückwirkung. Wenn wir verschiedener Meinung sind, halten wir es relativ oft so, dass wir das nicht ausdiskutieren, sondern den Gegensatz erst mal im Raum stehen lassen. Und dann gucken wir ein paar Tage später wieder drauf, dann löst es sich von allein. Wir diskutieren schon vieles mit einem rechthaberischen Aspekt. Aber gerade in der Musik zeigt sich der Weg eigentlich von allein.“
* Viele Menschen verbinden Eure Musik mit Berlin. Wie hat Euch die Stadt beeinflusst?
Tommi: „Berlin ist eine spezielle Stadt, die vor 15 Jahren noch geteilt war. Das ist ein politischer Hintergrund. Da sind zwei Länder zusammengewachsen. Das merkt man, glaube ich, auch heute noch. Es herrscht eine große Offenheit. Viele Leute können sich in Berlin selbst verwirklichen. Es gibt die obskursten Läden in den Straßen. Diese Vielfalt ist inspirierend. Wir saugen das alles auf wie ein Schwamm, das findet sich alles in der Musik wieder.“
* Mit Eurem Label, it sounds, vereint Ihr ganz unterschiedliche Stile unter einem Dach. Wonach wählt Ihr Eure Künstler aus?
Tommi: „Ursprünglich wollten wir was Deutschsprachiges machen, um das ein bisschen zu fördern. Das hat sich inzwischen geöffnet. Wir haben ja zum Beispiel Titus und Tarantula mit dabei.“
Inga: „Das einzige Kriterium ist die Persönlichkeit der Künstler. Das ist das Entscheidende. Das interessante an Musik ist, wenn die Persönlichkeit des Künstlers durch seine Musik hervortritt. Deswegen zum Beispiel auch El*ke. Bei denen kommen die Persönlichkeiten raus, das sind echte Typen. Was die sind, findet sich eins zu eins in der Musik wieder, die sie machen. Die verschicken einfach was von ihrer Welt auf dem Album. Ein Künstler muss Überschuss haben, um etwas geben zu können. Es gibt zwar auch Erfolge, die anders passieren, aber dann weiß der Künstler nicht warum. Das ist dann immer schwer, das auszuhalten. Wenn du nicht weißt warum du Erfolg hast, weißt du natürlich auch nicht, wie du das noch mal schaffst.“
[Jörg]
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