Bau- und Umwelttechnik-Ingenieurin Alexandra Köhler
Montagmorgen, Moorburg im südlichen Teil des Hamburger Hafens. Ein vom Regen aufgeweichter und von LKW-Reifen ausgefahrener Erdweg führt zu einer riesigen, von Deichen umrandeten Teichlandschaft, die an eine gigantische Fischzucht-Anlage erinnert. Doch ein Schild am Eingang der Anlage warnt vor dem Betreten: Hier besteht Lebensgefahr! Denn in Wirklichkeit handelt es sich hier um so genannte Spülfelder: Schlick, der zumeist beim Ausbaggern von Fahrrinnen anfällt. In den angelegten Becken finden sich riesige Mengen Schlamm. Der ist an der Oberfläche teilweise verkrustet.
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”Wer diese Fläche betritt, riskiert sein Leben. Denn ist man einmal eingesunken, kann man sich nur schwer wieder aus dem Schlamm befreien”, sagt Alexandra Köhler, Bau- und Umwelttechnik-Ingenieurin bei der Hamburger Firma DelphinUmwelttechnik, die sich auf Kläranlagen und Abwasserreinigung spezialisiert hat. ”Der Hafenschlick wird hier in die Becken gepumpt und entwässert dann mit der Zeit. Ist der Schlick erst mal getrocknet, wird das trockene Material ausgebaggert und deponiert”, so Köhler. „Wir entnehmen dann Proben des Schlicks, die bei uns im Labor von unserer Chemie-Laborantin auf ihre Feuchte untersucht werden.” Alexandra Köhler ist also nicht die einzige Frau in der technisch orientierten Firma, wohl aber in der Minderheit. Daran ist sie gewöhnt. Nur an den Umgang von Männern mit Frauen in technischen Berufen kann sie sich immer noch nicht gewöhnen:
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”Am Telefon in der Firma wird man immer für die Sekretärin gehalten. Kläre ich die Situation auf, sind die Gesprächspartner meist erstmal verlegen. Und wenn ich Unterlagen dann später mit der Post zu geschickt bekomme, sind die immer an Herrn statt an Frau Köhler adressiert!”
Frauen an technischen Universitäten
Auf den Spülfeldern ist die junge Ingenieurin weit und breit die einzige Frau. Für sie ist das nichts Neues: In technischen Berufen sind Frauen auch in Zeiten der Emanzipation immer noch deutlich in der Unterzahl. Die Zahlen der technischen Universität Hamburg Harburg (TUHH) verdeutlichen diesen Umstand: Zwar ist der Anteil der weiblichen Studenten von 2000 bis 2002 von 17,0 Prozent auf 19,5 Prozent gestiegen, insbesondere auch in den so genannten ´harten´ Ingenieurstudiengängen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Schiffsbau und Verfahrenstechnik. Die TUHH bemüht sich, die Zahl der weiblichen Studenten zu erhöhen. Mit Einrichtungen wie den ”Women`s Competence Centers TUHH” soll der weibliche Nachwuchs geworben werden. Dieses Angebot richtet sich vor allem an Schülerinnen. Die können sich mit Computerkursen, Vorträgen und Führungen auf die Anforderungen in Studium und Beruf vorbereiten. Geboten werden Selbstmanagement, Präsentationen mit Power-Point, Moderation, Rhetorik, wissenschaftliches Schreiben, Projektmanagement, Karriereplanung, Bewerbungs-Training inklusive Assessmentcenter. Informationen dazu können unter
hier abgerufen werden.
Auch die TU Berlin versucht, mit den seit dem Jahr 2000 jährlich stattfindenden Schülerinnen&Schüler-Technik-Tagen, bei Jugendlichen Interesse und Lust an der Naturwissenschaft und Technik zu wecken. Das Projekt, das von der Zentralen Frauenbeauftragten der TU Berlin ins Leben gerufen wurde, wird in Kooperation mit den Fakultäten, der Allgemeinen Studienberatung und der Pressestelle durchgeführt. Infos unter:
www.tu-berlin.de/stt
Die Lehre in einem technischen Beruf
Doch das Studium an einer deutschen technischen Universität ist nicht die einzige Möglichkeit, einen technischen Beruf zu erlernen. Zwar sind in klassischen technisch-handwerklichen Bauberufen wie Maurer oder Elektriker Frauen noch echte Raritäten. Aber in Berufen in der Holzverarbeitung, Laborberufen und dem Beruf der Bauzeichnerin nimmt der Frauenanteil stetig zu.
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Auch Almeria Kühnel gehört demnächst zu einer dieser Berufsgruppen, denn die 18-Jährige macht gerade ihre Ausbildung zur Chemielaborantin in der gleichen Firma, in der auch die Ingenieurin Alexandra Köhler beschäftigt ist. Und Almeria Kühnel bekommt jetzt die Proben vom Spülfeld auf den Tisch. Hier im Labor werden sie von der zukünftigen Chemielaborantin und ihrer Ausbilderin Jutta Holst untersucht. Hier wird dann die Feuchte des Materials noch mal mit einem speziellen Verfahren gesondert analysiert. Meistens haben es die Beiden aber mit Abwasser zu tun und mit der Messung vom Phosphat- und Nitratgehalt – zugleich Gegenstand der kommenden Zwischenprüfung von Almeria Kühnel. Nach weiteren 18 Monaten ist sie dann eine fertig ausgebildete Chemielaborantin. Zusammen mit ihrer Ausbilderin und der Bauingenieurin sind die drei Damen übrigens die einzigen Frauen in der Firma. Die restlichen 15 Angestellten des technischen Personals sind männlich. Aber das kennen die drei seit Beginn ihres Arbeitslebens.